Vorgestellt: die Menstruationstasse
Hygiene & Körperpflege

Vorgestellt: die Menstruationstasse

Ist sie nur eine Modeerscheinung oder doch eine dauerhafte und gute Alternative zu Tampons und Binden? Obwohl Menstruationstassen schon vor rund 90 Jahren auf den Markt kamen, entdecken viele Frauen sie erst jetzt für sich. Die Tassen punkten vor allem durch ihre Nachhaltigkeit und ihren attraktiven Preis. Wir stellen sie dir vor und erklären, wie das System funktioniert.

Ein sauberes System: speichern statt saugen

Ein Ding mit vielen Namen: Menstruationstasse, Mens-Cup, Menstruationsbecher oder Menstruationsglöckchen. Was auch immer draufsteht, dahinter verbirgt sich ein und dasselbe: ein kleines, kelchähnliches Gefäß aus medizinischem Silikon, Latex oder Naturkautschuk, das Menstruationsblut in der Scheide auffängt. Anders als Binden und Tampons, die die Flüssigkeit aufsaugen. Die kleinen zusammenfaltbaren Becher gibt es vom Einwegmodell bis zur langlebigen Variante, die bis zu zehn Jahre hält.

Menstruationstassen findest du in verschiedenen Größen. Sie richten sich nach individueller Körperform und Stärke der Blutung. Ein junges Mädchen braucht so zum Beispiel eine andere Tassengröße als eine erwachsene Frau oder mehrfache Mutter. Die Mens-Cups bekommst du in Drogeriemärkten, Bioläden und Onlineshops der Hersteller. Jede Verpackung enthält Tipps, die dir bei der Größenauswahl helfen. Obwohl immer mehr Frauen die Menstruationstasse als Neuentdeckung feiern, kamen die ersten Exemplare bereits in den 1930er Jahren in den USA auf den Markt.

Wie funktioniert eine Menstruationstasse?

Menstassen bestehen immer aus weichem Material, damit du sie leicht handhaben und platzsparend verstauen kannst. Nach dem gründlichen Händewaschen faltest du den Becher wie auf der jeweiligen Anleitung beschrieben zusammen. Das anschließende Einführen in die Scheide geht leichter, wenn du die Tasse mit etwas Wasser oder Gleitgel anfeuchtest. Achte auch darauf, die Tasse nicht zu stark zusammenzudrücken. Wenn du noch ein bisschen Luft im Becher lässt, entfaltet sich dieser in der Vagina besser. Nach dem Einführen sorgen die Scheidenmuskulatur und der entstehende Unterdruck dafür, dass der Becher nicht verrutscht und kein Blut ausläuft.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Was passiert, wenn ich mehr Blut verliere, als die Tasse fassen kann? Ein eher theoretisches Problem, antworten darauf die Frauenärzte. Denn die meisten Frauen überschätzen die Menge des Bluts, das sie während der Periode verlieren. Wenn du dir unsicher bist, dann nimm die Tasse einfach häufiger raus und entleere sie.

Am besten lässt sich die Menstruationstasse in der leichten Hockstellung entfernen. Dabei drückst du den Cup nach innen gegen die Scheidenwand, um den Unterdruck zu lösen. Erst danach ziehst du die Tasse an ihrem Stab oder Ring heraus. Das aufgefangene Blut kannst du nun einfach in die Toilette schütten.

Die Menstruationstasse reinigen und pflegen

Vor der ersten Verwendung und bevor du sie nach der Menstruation wieder verstaust, braucht die Tasse ein sterilisierendes Bad in kochendem Wasser. Wenn du sie während der Periode ausleerst und wiedereinsetzt, reicht es, wenn du sie zwischendurch mit warmem Wasser ausspülst. Du kannst den Becher auch zusätzlich mit einer milden Seife oder unterwegs mit speziellen Reinigungstüchern säubern. Wichtig: Während der Menstruation braucht die Tasse alle zwei Tage eine Grundreinigung mit kochendem Wasser oder Spezialreinigern. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ein Hoch auf die Tasse! Welche Vorteile hat sie?

  • Nachhaltig und umweltfreundlich: Bei richtiger Pflege und Reinigung halten Menstruationstassen jahrelang. So entsteht viel weniger Abfall und Verpackungsmüll als bei Tampons oder Binden.
  • Preiswert: Im Vergleich zu Tampons und Binden sind die Cups auf Dauer deutlich günstiger. Die meisten Tassen gibt es schon für circa 15 Euro. Dagegen geben Frauen jährlich zwischen 30 und 100 Euro für Tampons und Binden aus.
  • Seltener wechseln: Mit einem Fassungsvermögen von rund 30 ml kann die Tasse an normal starken Blutungstagen der Periode bis zu zwölf Stunden in der Scheide bleiben – länger als jeder Tampon.
  • Gut verträglich: Anders als ein Tampon trocknet die Tasse die Schleimhaut nicht aus. Das schätzen besonders Frauen, die zu Allergien, Infektionen oder Pilzen neigen.
  • Kein Geruch: Weil das Menstruationsblut im Becher und damit im Körper bleibt, entstehen weniger Gerüche als bei vollgesaugten Tampons oder Binden.
  • Immer dabei: Unterwegs gibt es nicht immer Geschäfte und Mülleimer fürs Beschaffen und Entsorgen von Hygieneartikeln. Eine wiederverwendbare Tasse löst das Problem.

Die Nachteile der Menstruationstasse

  • Keine Frage, am Anfang braucht es etwas Überwindung und Übung, den Becher einzusetzen, wieder zu entfernen und zu waschen. Auch den Anblick des eigenen Blutes empfinden einige Frauen als unangenehm. Nach einiger Zeit gewöhnst du dich jedoch daran.
  • Die Tassen müssen regelmäßig gereinigt und auch sterilisiert werden – auch unterwegs. Am besten hast du also immer ein paar desinfizierende Reinigungstücher in der Handtasche. Manchen Frauen ist dieser Aufwand jedoch zu groß.
  • Bei einer Beckenbodenschwäche ist die Tasse manchmal nur eingeschränkt anwendbar.
  • Kurz nach einer Geburt solltest du den Einsatz vermeiden – wegen der kurzfristigen Beckenbodenschwäche und um die Wundheilung nicht zu stören.
  • Bei einer Latexallergie solltest du auf latexfreie Modelle ausweichen.
  • Bei vaginalen Infektionen solltest du die Menstruationstasse nicht verwenden.
  • Außerdem kann – wie auch bei Tampons – die seltene Gefahr eines toxischen Schocksyndroms bestehen.

Am Ende entscheidest du darüber, ob eine Menstruationstasse das Richtige für deine Monatshygiene ist. Da hilft nur ausprobieren. Das ist beispielsweise fürs Erste mit einer einfachen Einmaltasse ganz unkompliziert möglich. Bei weiteren Fragen solltest du deinen Frauenarzt um Rat bitten.

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Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.

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