Vorsicht Zecken: Borreliose erkennen und behandeln
Selbsthilfe

Vorsicht Zecken: Borreliose erkennen und behandeln

Sonne und duftende Sommerwiesen – das schöne Wetter lockt nach draußen. Mit den steigenden Temperaturen werden auch die Zecken aktiv. Die kleinen Blutsauger sind vor allem als Krankheitsüberträger bekannt. Besonders gefürchtet ist in unseren Breitengraden die Borreliose. Kein Grund zur Panik, denn Borreliose kann in jedem Stadium gut festgestellt und behandelt werden. Trotzdem heißt es wachsam sein.

Borrelia burgdorferi: Ein Drittel der Zecken sind infiziert

Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst. In Deutschland sind, abhängig von der Region, etwa 5 bis 35 Prozent der Zecken mit Borrelien befallen. Je älter eine Zecke ist, desto höher ist das Risiko, dass sie den Erreger in sich trägt. Die Bakterien machen die Zecke selbst nicht krank, überleben allerdings in ihrem Magen-Darm-Trakt. Durch den Zeckenstich können diese Bakterien über die Haut in den menschlichen Blutkreislauf gelangen. Bei etwa fünf Prozent der Zeckenstiche kommt es zu einer Borrelien-Infektion, aber nur jeder 100. Infizierte erkrankt auch tatsächlich daran.

Zecken liegen auf der Lauer, bis der Wirt kommt

Zecken leben bevorzugt auf Gräsern, Blättern und im Unterholz. Auf der Jagd nach ihrem Wirt können sie bis zu 1,50 Meter hoch klettern. Streift der Wirt die Zecke, greift sich die Zecke blitzschnell mit den starken Krallen ihrer Vorderbeine dessen Haare, Haut oder Kleidung und hält sich fest. Anschließend wandert sie so lange auf deinem Körper herum, bis sie eine gut durchblutete Stelle findet – dann sticht sie zu. Mit ihren scharfkantigen Mundwerkzeugen ritzt sie die Haut auf und versenkt darin ihren „Stechrüssel“ (Hypostom). Hier befinden sich Widerhaken, die sich im Gewebe verankern. Während des Stechens sondert die Zecke mit ihrem Speichel ein Sekret ab, das die Einstichstelle betäubt. Deshalb bemerkst du einen Zeckenstich nicht. Zecken können sich aber an jeder Körperstelle festsaugen, deshalb solltest du deinen Körper von oben bis unten nach einem Spaziergang kontrollieren.

Zeckenstich – so früh wie möglich handeln

Zecken sollten immer umgehend entfernt werden. Je länger der Saugvorgang anhält, desto wahrscheinlicher ist eine Übertragung von Krankheitserregern. Mithilfe einer Zeckenzange, dem Zeckenlasso oder einer Pinzette wird die Zecke senkrecht aus der Haut gezogen. Wird die Zecke gequetscht, können die Erreger leichter in die Stichwunde gelangen. Wichtig ist, die Zecke möglichst hautnah zu greifen. Verwende weder Benzin, Nagellackentferner noch Alkohol, um die Zecke zu entfernen. Diese Substanzen erhöhen das Risiko einer Infektion, da die Zecke in ihrem Überlebenskampf vermehrt Erreger ausscheidet.

Ein Zeckenstich ist kein Grund zur Panik. Erstens ist nicht jede Zecke mit Krankheitserregern infiziert und zweitens hast du in Bezug auf Borreliose etwas Zeit. Denn Borrelien wandern erst nach etwa zwölf Stunden aus dem Darm der Zecke in den Wirt.

Alarmsignal Borreliose: Wanderröte und grippeartige Symptome

Nicht jeder, der sich mit Borrelien infiziert, erkrankt auch daran. Viele Infektionen verlaufen völlig unbemerkt. Es gibt jedoch typische Anzeichen, die auf eine akute Borrelien-Infektion hinweisen. Entsteht nach einigen Tagen eine deutliche ringförmige Hautrötung, die sich immer weiter ausbreitet, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. Diese sogenannte Wanderröte ist ein typisches, aber nicht immer vorhandenes Frühzeichen für eine Borrelien-Infektion. Weitere Anzeichen sind grippeartige Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen. Sie treten meistens innerhalb von 7 bis 14 Tagen nach dem Zeckenstich auf.

In seltenen Fällen befallen Borreliose-Erreger das Nervensystem. Die Borrelien wandern in Gehirn und Rückenmark und lösen eine Entzündung des Nervensystems aus. Bei der sogenannten Neuroborreliose kommt es zu Seh- und Hörstörungen, Nervenschmerzen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen. Die Beschwerden beginnen erst Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich, weshalb Betroffene oft keinen Zusammenhang mit einem Zeckenstich vermuten.

Bis auf die klassische Wanderröte können alle Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Eine ärztliche Untersuchung schafft Klarheit, ob es sich tatsächlich um Borreliose handelt.

Was macht der Arzt?

Im Diagnosegespräch erkundigt sich der Arzt genau nach den Beschwerden und ob du möglicherweise von einer Zecke gestochen wurdest. Ist die Wanderröte eindeutig zu erkennen, sind keine weiteren Untersuchungen nötig. Einige Patienten erinnern sich jedoch nicht an einen Zeckenstich oder haben ihn übersehen. Deuten andere Beschwerden jedoch auf eine Borreliose hin, gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss. Im Blut zeigen sich meist spezifische Antikörper gegen Borrelien. Bei Symptomen, die auf einen Befall des Nervensystems hinweisen, liefert die Untersuchung des Nervenwassers wichtige Informationen.

Antibiotikatherapie schon bei Borreliose-Verdacht

Die frühzeitige antibiotische Behandlung ist sehr wichtig bei einer Borreliose. Denn entscheidend für den Verlauf ist, wie viel Zeit die Bakterien hatten, sich im Körper zu verteilen und zu vermehren. Ist die Wanderröte eindeutig zu erkennen, reicht das, um sofort die antibiotische Therapie zu beginnen. Wer frühzeitig Antibiotika in ausreichender Dosierung und ausreichend lang einnimmt, wird in der Regel wieder vollständig gesund und muss keine Komplikationen fürchten.

In seltenen Fällen können allerdings Spätfolgen auftreten. Monate oder Jahre nach der Infektion können sich Gelenke entzünden, besonders häufig die Kniegelenke. Manchmal ist auch das Nervensystem betroffen. Unbehandelt kann sich daraus eine chronische Borreliose entwickeln, die in Schüben immer wiederkehrt.

Keine Impfung gegen Borreliose, aber gegen FSME

Gegen die bakterielle Infektion Borreliose gibt es wirksame Medikamente, aber keine Impfung. Genau umgekehrt ist das bei der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), einer virusbedingten Hirnhautentzündung. Es gibt keine Medikamente, um die Ursache der Virusinfektion zu heilen, sondern nur eine symptomatische Therapie. Durch eine Impfung kannst du die Erkrankung aber wirksam verhindern.

Borreliose oder FSME – so weit muss es gar nicht erst kommen. Zeckenstichen vorbeugen ist der beste Schutz.

Wie du dich vor Zecken schützen kannst

Folgende Maßnahmen machen es Zecken besonders schwer:

  • Trage helle Kleidung, darauf lassen sich Zecken besser erkennen.
  • Zeige weniger Haut, trage langärmlige Kleidung, lange Hosen und eine Kopfbedeckung.
  • Sieht blöd aus, hilft aber: Ziehe Socken über die Hosenbeine. Auch Gummistiefel sind ein guter Schutz.
  • Benutze spezielle Antizeckenmittel für Haut und Kleidung. Die Wirkung hält ca. 4 bis 8 Stunden an. Zeckenschutzmittel töten die Zecken aber nicht. Sie werden nur vom Geruch abgewehrt.
  • Einen natürlichen Schutz bietet Kokosöl. Es enthält Laurinsäure, die für Zecken unerträglich stinkt. Du musst es allerdings öfter auftragen als ein chemisches Mittel.
  • Nimm eine Zeckenzange mit, damit du Zecken schnell entfernen kannst.
  • Suche nach einem Wald- und Wiesenbesuch deinen ganzen Körper auf Zecken ab. Zecken lieben warme und weiche Stellen wie Bauch, Brust, unter den Achseln, Kniekehlen, hinter dem Ohr, zwischen den Zehen und im Schambereich.
  • Kontrolliere deine getragene Kleidung, mit Klebstreifen lassen sich Zecken gut entfernen.
  • Wasche deine Wäsche bei 60 Grad, das tötet Zecken ab. Den Wäschetrockner (60 bis 70 Grad) überleben Zecken ebenfalls nicht.

Weitere Informationen zu Borreliose und FSME findest du auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts unter: www.rki.de/borreliose bzw. www.rki.de/fsme. Eine Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland zeigt, wo du besonders wachsam sein solltest.

Wenn du noch tiefer ins Thema einsteigen willst, dann schaue dir auch unser Video mit Notfallsanitäter Philipp Stehling an. Er gibt Rat, was du bei Zecken- und Insektenstichen tun solltest.

Abgesehen von den Zecken haben wir es im Sommer auch mit vielen anderen Plagegeistern zu tun. Damit du entspannt durch die warmen Tage kommst, geben wir dir Tipps, wie du Wespen auf Abstand hältst und erklären, was du über Mückenstichen wissen solltest.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK-Hessen.