Wenn der Darm zwickt: das Reizdarmsyndrom
Volkskrankheit

Wenn der Darm zwickt: das Reizdarmsyndrom

Der Darm ist eine Wissenschaft für sich. Die damalige Medizinstudentin Giulia Enders hat ihn mit ihrem Buch „Darm mit Charme“ ins Rampenlicht gerückt und dadurch ein vermeintliches Tabuthema aufgebrochen. Dass das Buch zum Beststeller wurde, hat vielleicht damit zu tun, dass sich schon fast jeder Mensch mit Beschwerden wie Verstopfung oder Durchfall herumgeplagt hat. Werden diese Symptome chronisch, kann es sich um das Reizdarmsyndrom handeln.

Es zwickt und zwackt – was passiert im Darm?

Der Darm ist ein bis zu sechs Meter langer Muskelschlauch. Durch den Dickdarm wird bereits dünnflüssiger Nahrungsbrei transportiert. Hier wird ihm Wasser entzogen und der unverdauliche Teil zu Stuhl eingedickt. Befördert die Darmmuskulatur den Brei zu schnell, bleibt zu viel Wasser im Stuhl; es kommt zu Durchfall. Sind die Muskelbewegungen nicht ausreichend, sodass der Nahrungsbrei zu lange im Darm verweilt, entstehen Verstopfungen. Starke Muskelbewegungen hingegen können schmerzhafte Krämpfe auslösen.

Darm aus dem Gleichgewicht – die Symptome

Die Symptome reichen von starken Unterleibsschmerzen und Krämpfen, ständigem Völlegefühl und Blähungen mit teilweise schleimigem Ausfluss bis zu Verstopfungen, unter denen mehr Frauen leiden – oder starkem Durchfall, der eher bei Männern auftritt. Manche Menschen leiden abwechselnd sogar an beiden Beschwerden. Die Erkrankung verläuft in Schüben, das bedeutet, dass sich Phasen mit und ohne Beschwerden abwechseln. Ein Reizdarmsyndrom könnte vorliegen, wenn die Symptome länger als drei Monate andauern und die Lebensqualität deutlich herabgesetzt ist.

Diagnose gesichert – wirklich ein Reizdarm?

Wodurch genau das Syndrom ausgelöst wird, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Häufig ist es ein langer Weg, bis die Diagnose feststeht. Denn um eine gesicherte Diagnose zu stellen, sollte ausgeschlossen werden, dass es sich um andere Erkrankungen oder Unverträglichkeiten handelt. Diese sind beispielsweise Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Erst dann können die Symptome individuell behandelt werden.

Was tun – Ernährung bei Reizdarm

Seit einigen Jahren stehen sogenannte FODMAPs, vergärbare Kohlenhydrate, im Verdacht, zu viel Wasser im Darm zu sammeln und damit Durchfall und Blähungen zu begünstigen. Bei der FODMAP-armen Diät wird vorübergehend auf sämtliche zuckerhaltige Lebensmittel verzichtet.

Ein wenig Linderung scheinen lösliche Ballaststoffe wie Flohsamen zu bringen. Probiotika, Milchsäurebakterien, die beispielsweise im Joghurt vorkommen, können sich ebenfalls günstig auf die Darmflora auswirken. Ob du einzelne Lebensmittel verträgst und wie hoch deine Toleranzgrenze ist, findest du nur durch Ausprobieren heraus. Eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse ist in jedem Fall hilfreich.

Mit Reizdarm leben – kleine Alltagstricks

Einige Tipps können im Alltag gut helfen. Denn für Menschen mit einem stark ausgeprägten Syndrom können viele Situationen des täglichen Lebens stark belastend sein. Wenn du aber weißt, was dir guttut, kann dir eine feste Routine mit passenden Essensportionen und Essenszeiten sowie dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel helfen. Ein Tagebuch, in dem du alle Lebensmittel aufführst, ist nützlich, um festzustellen, welches Essen du verträgst.

Es gibt auch einige Internetforen, die sich speziell mit dem Thema Reizdarm befassen. Die Berichte und Erfahrungswerte bieten oft hilfreiche Ratschläge und Tipps. Vielleicht ist auch der Austausch mit anderen Nutzern eine wertvolle Informationsquelle oder Unterstützung für dich.

Eine gute Gesundheit wünscht dir deine AOK Hessen!

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