Wenn Kinder zu viel wiegen: Das können Eltern tun
Kinder & Jugendliche

Wenn Kinder zu viel wiegen: Das können Eltern tun

Bei Kindern ist es schwerer als bei Erwachsenen, ein Normalgewicht zu definieren. Sie wachsen noch, können mal etwas in die Breite gehen, dann wieder in die Höhe schießen. Gewichtsschwankungen sind also völlig normal. Fakt ist jedoch: Jedes siebte Kind in Deutschland hat Übergewicht. Rund 18 Prozent der Erstklässler sind zu dick, in der Pubertät sind es sogar 28 Prozent der Kinder.

Übergewicht: Ab wann es kritisch wird

Doch müssen sich Eltern wirklich bei jeder kleinen Speckfalte sorgen? Nein, sagen Ernährungsexperten. Jedes Kind entwickelt sich anders und das Körpergewicht ist auch erblich veranlagt. Eine Einordnung gibt der „Body-Mass-Index“ (BMI). Er sagt allerdings nichts über die Verteilung von Körperfett und Muskelmasse aus. Daher solltest du ihn nur als groben Richtwert betrachten und bei einem grenzwertigen Ergebnis ärztlichen Rat einholen. Du erhältst den BMI, wenn du das Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern (die du vorher multiplizierst, siehe Beispiel) dividierst. Bei einem Gewicht von 50 Kilogramm und einer Körpergröße von 1,40 Meter sieht die Rechnung so aus:

50
——————
1,40 × 1,40

Da ein Wert bis 24,9 als normalgewichtig gilt, ist der BMI von 25,5 aus unserem Beispiel schon im kritischen Bereich. Natürlich ist die Zahl allein nicht das Maß der Dinge, dennoch: Liegt dein Kind über dem Normwert, ist ein Beratungsgespräch mit dem Kinderarzt sinnvoll. Kinder- und Jugendärzte warnen, dass Übergewicht im Kindesalter negative Auswirkungen auf fast alle Organsysteme hat. Es bringt den Hormonhaushalt durcheinander, lässt das Bindegewebe einreißen und belastet langfristig Gelenke, Sehnen und Muskeln.

Dazu kommen die Spätfolgen: Dicke Kinder haben als Erwachsene ein höheres Diabetesrisiko, oft leiden Sie unter erhöhten Blutfettwerten und Bluthochdruck. Im schlimmsten Fall droht eine koronare Herzkrankheit, ein Schlaganfall oder Herzinfarkt. Die Familienstudie der AOK zeigt außerdem einen Zusammenhang zwischen dem Übergewicht der Kinder und dem Gewicht der Eltern. Der Anteil der Kinder mit Übergewicht bei Eltern mit Adipositas, also krankhaftem Übergewicht, ist doppelt so hoch wie bei Eltern mit normalem Gewicht.

Erbliche Faktoren spielen zwar eine Rolle – doch bei vielen Kindern steckt eher ein Mix aus zu wenig Bewegung und ungesunder Ernährung dahinter. 2018 gaben in einer Studie nur noch 18 Prozent der Schulkinder an, regelmäßig draußen zu spielen, 1990 waren es noch 73 Prozent. Dazu kommt, dass im hektischen Familienalltag häufig Fertiggerichte und Fast Food auf dem Speiseplan stehen.

Zeig deinem Kind, dass es nicht allein ist

Für das Selbstbewusstsein ist Übergewicht eine große Belastung. Möglicherweise hat dein Kind in der Schule schon abwertende Kommentare über seinen Körper gehört. Deshalb solltest du das Thema behutsam ansprechen. Vermittle ihm: Wir packen das gemeinsam an, du kannst auf mich zählen. Wir haben vier Möglichkeiten gesammelt, wie euch das miteinander gelingt.

Diese Alltagstipps helfen Kindern beim Abnehmen:

  • Einen Lieblingssport finden. Quält sich ein Kind zum Training, wird es nicht lange durchhalten. Hat es dabei Erfolgserlebnisse, gewinnt es Begeisterung und immer mehr Selbstvertrauen. Besonders geeignet dafür sind Tanzen, Kampfsport oder Schwimmen. Vielleicht hat deine Schwimmhalle auch Aquafitness-Kurse im Angebot – Bewegung im Wasser ist effektiv und schont die Gelenke.
  • Als Familie aktiv sein. Unternehmt gemeinsame Radtouren oder geht Inline skaten. Baut im Garten ein Trampolin auf oder unternehmt einen Ausflug in den Trampolinpark. Ihr könnt auch zusammen wie ein Frosch durch den Park springen. Vielleicht macht ihr sogar ein Wetthüpfen daraus? Vermittle deinem Nachwuchs, dass Bewegung Spaß macht und zum Leben dazu gehört. So verbindet dein Kind körperliche Aktivität mit positiven Erlebnissen.
  • Gemeinsam die Ernährung umstellen. Ist das Kind zu dick, ernähren sich oft auch die Eltern nicht gesund. Hinterfragt deshalb eure Essgewohnheiten als Familie und stellt einen gesunden Speiseplan auf. Sucht gemeinsam nach leckeren Gerichten – Gemüselasagne schmeckt beispielsweise fast jedem Kind. Esst außerdem viel frisches Obst und Gemüse und kocht und backt zusammen. Du brauchst deinem Kind Süßigkeiten oder Fast Food aber nicht komplett zu verbieten. Als Zwischenmahlzeit oder täglichen Snack solltet ihr auf Gemüsesticks oder Nüsse setzen. Leckere Alternativen sind selbstgebackene Müsliriegel ohne Zucker oder selbstgemachtes Eis aus gefrorenen Früchten und Joghurt.
  • Selbstvertrauen stärken. Viele Übergewichtige Kinder werden gemobbt. Ermuntere dein Kind, sich dir anzuvertrauen. Vermittle ihm, dass sein Wert nicht von seinem Gewicht abhängt. Es freut sich über Komplimente, die nichts mit seinem Aussehen zu tun haben. Sag ihm zum Beispiel, dass es wunderbar kreative Geschichten erzählt oder sich toll um seine Geschwister kümmert.

Mit gutem Vorbild voran

Eltern wollen, dass es ihrer Familie gut geht. Dafür ist es wichtig, dass sie ihr eigenes Verhalten immer wieder hinterfragen – und sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen: Oft genügt es, wenn Kinder während der Entwicklung ihr Gewicht halten. Mit dem Wachstum erreichen sie dann oft von allein wieder ihr Normalgewicht.

Dies gilt auch für die eigene Mediennutzung: Spielen Tablet oder Smartphone in der Freizeit die Hautrolle, entwickelt sich bei Kindern oft kein Bewegungsdrang. Geh deshalb mit gutem Beispiel voran und leg das Handy öfter zur Seite. Denn: Wenn du dich gut um deinen Körper und deine Gesundheit kümmerst, gibst du diese Muster an deinen Nachwuchs weiter. Dabei lässt dich deine AOK Hessen aber nicht allein. Falls dein Kind beim Abnehmen Unterstützung von außen braucht, bieten wir zahlreiche Reha-Möglichkeiten an.

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