Wenn Mama nicht mehr kann: Prävention von Burn-out bei Müttern
Familienleben

Wenn Mama nicht mehr kann: Prävention von Burn-out bei Müttern

Meist ist es der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Eine Nichtigkeit, die du normalerweise problemlos weggesteckt hättest, die aber einfach eine vermeintliche Nichtigkeit zu viel ist. Die vergessenen Gummistiefel auf dem Weg zum Kindergarten etwa. Die kaputte Kaffeemaschine nach einer Nacht, in der du viel zu wenig geschlafen hast. Und auf einmal geht gar nichts mehr, der Körper streikt, der Kopf auch. Zusammenbruch: Burn-out.

Burn-out ist längst keine Managerkrankheit mehr, sondern trifft immer häufiger auch Mütter. Bereits in den 1970er Jahren beschrieb der Psychologe Herbert Freudenberger, dass ein Burn-out besonders bei Menschen auftritt, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen und großes persönliches Engagement zeigen. Dazu kommt eine permanente Stressbelastung ohne Pausen zum Regenerieren, die jedem Burn-out vorausgeht. Während kurzzeitiger Stress sogar positive Effekte hat, schwächt dauerhafter Stress den ganzen Körper. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem einfach nichts mehr geht.

Elternsein ist ein 24-Stunden-Job. Vor allem Mütter gönnen sich keine Pausen, keine Zeit für sich. Nach der Arbeit müssen sie neben dem Einkaufen und dem Spagat zwischen Waschmaschine und Geschirrspüler aufgeschürfte Knie verarzten, das Kind zum Fußballtraining fahren, Streitereien schlichten und Biene-Maja-Puzzle legen. Selbst, wenn die Kinder im Bett liegen, ist für viele Mütter noch lange nicht Feierabend. Zeit für eine kleine Pause? Zum Durchatmen? Zum einfach mal Nichtstun? Bleibt im stressigen Familienalltag eher die Ausnahme. Mütter geben immer 100 Prozent, immer Vollgas. Was mit einem Motor passiert, der immer auf höchster Drehzahl läuft, wissen wir alle. Da überrascht es nicht, dass immer mehr Mütter unter der Mehrfachbelastung von Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung leiden und alle Anzeichen für einen sich ankündigenden Burn-out so lange übersehen, bis es zu spät ist.

Das Gute: Die Abwärtsspirale aus körperlicher und mentaler Erschöpfung, die einen Burnout ankündigt, lässt sich an jedem Punkt unterbrechen. Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser. Denn je erschöpfter man ist, umso schwieriger wird es, dem Teufelskreislauf zu entkommen. Dinge zu verändern kostet Energie. Deshalb verharren Menschen entgegen besseren Wissens so oft in Situationen, die sie belasten und ihnen nicht guttun.

Das Beste ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Dem Mütter-Burnout vorzubeugen oder aber zu erkennen, wann alles zu viel wird und gleich gegensteuern. Aber wie können Mütter im stressigen Familienalltag Pausen einlegen? Woher soll man die Zeit für sich selbst nehmen, wenn man permanent gefordert wird, ständig am Rotieren, Organisieren und Improvisieren ist?

Indem du Prioritäten setzt, auch mal im Haushalt fünfe gerade sein lässt. Indem du den Alltag entrümpelst von unnötigen Terminen, Stressfaktoren und Zeitfressern. Indem du lernst, Nein zu sagen. Und auch einmal nur an dich denkst, auf deinen Körper hörst. Denn gerade Mütter dürfen nicht vergessen: Wer sich nie um sich selbst kümmert, hat irgendwann keine Kraft mehr, sich um andere zu kümmern. Dazu gehören neben genug Schlaf und gesunder Ernährung vor allem immer wieder Pausen im Alltag zum Krafttanken.

Dabei bringen tägliche kleine, konsequent eingehaltene Pausen mehr als ein einziges verlängertes Wellnesswochenende im Jahr, nach dem du eh wieder in den Alltagstrott verfällst. Kurze Me-Time-Momente lassen sich immer wieder im Familienalltag unterbringen: kleine Zeitinseln, die ganz bewusst zum Auftanken genutzt werden. Kleine Rituale, die Halt geben in stressigen Zeiten, auf die du dich freuen kannst und für einen Moment das tägliche Hamsterrad anhalten kannst. Dazu gehören tägliche Rituale, wie der in Ruhe genossene Kaffee, bevor die Kinder geweckt werden, der Yoga-Sonnengruß nach dem Aufstehen, das Fensteröffnen und Durchatmen, wenn es bei der Arbeit stressig wird, der Spaziergang in der Mittagspause. Aber auch wöchentliche Rituale wie das samstägliche Duschen in Ruhe inklusive Eincremen und Gesichtsmaske oder die Joggingrunde am Sonntagmorgen. Der erste Schritt für kleine Auszeiten im Alltag: Betrachte deinen Tagesablauf. Wann bist du besonders gestresst? Kannst du in diesen Momenten kleine Pausen einbauen? Wann bieten sich diese Auszeiten besonders an? Lassen sich Termine verschieben, Aufgaben delegieren? Das sind die ersten Stellschrauben, um mehr Ruhe in deinen Familienalltag zu bringen und so neue Kraft zu tanken.

Manchmal reichen aber auch kleine Pausen nicht mehr, um aus der Abwärtsspirale herauszukommen. Dann helfen Beratungsangebote und zum Beispiel Mutter-/Vater-Kind-Kuren, um dem Burn-out von Eltern vorzubeugen.

Die Gastautorin Nathalie Klüver ist selbst dreifache Mutter. Die Journalistin bloggt auf https://ganznormalemama.com/ über ihren turbulenten Familienalltag und hat mehrere Ratgeber für Eltern geschrieben. Tipps zum Thema Prävention von Burn-out gibt sie in ihrem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein: Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter“ (TRIAS Verlag).