Wie Pflegende Hilfe finden und Kraft tanken
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Wie Pflegende Hilfe finden und Kraft tanken

Angehörige, Nachbarn oder Freunde zu pflegen ist eine wichtige Aufgabe. Gleichzeitig kann sie sehr anstrengend sein und dir auf Dauer viel abverlangen. Manchmal lernt man Menschen dabei von einer ganz anderen Seite kennen. Viele Fragen tauchen zum ersten Mal im Leben auf. Oder du musst von jetzt auf gleich neue Herausforderungen bewältigen. Dabei kann manch einer an sein Limit geraten. Wende dich darum rechtzeitig an erfahrene Partner, die dir mit gutem Rat zur Seite stehen.

Wie viel kannst du leisten? Kenne deine Grenzen!

Einen Angehörigen zu Hause zu pflegen kostet viel Kraft. Körperlich, aber auch seelisch. Je pflegebedürftiger zum Beispiel deine Eltern, dein Partner oder eventuell auch dein Kind werden, desto mehr steigt die Belastung. Meist musst du dir auch deine Zeit völlig neu aufteilen. Mal was für sich tun, Freunde treffen, etwas unternehmen – das passt alles zunehmend nicht mehr in den Alltag. Grübeln wird zum ständigen Begleiter. Darüber, ob man alles richtig macht. Wie man das alles schaffen soll. Wie lange man das noch schafft. Warum der Mensch, den man pflegt, sich so verändert. Ob man bei all dem, was man erlebt, eigentlich selbst der bleiben kann, der man mal war.

Innerlich wachsen, Unterstützung holen

Pflegst du deine Eltern, verändert sich auch deine Beziehung zu ihnen. Während sie als Kind für dich gesorgt haben, brauchen sie nun deine Hilfe. Pflegst du deinen Partner, verändert sich euer Miteinander. Pflegst du ein Kind, fahren deine Emotionen immer wieder Achterbahn. Was täglich zu tun ist und was du dabei erleben kannst – zu Beginn der Pflege bist du vermutlich dankbar für jeden einzelnen Moment der Hilfe und Unterstützung. Mit der Zeit wird vieles Routine. Du wächst an deinen Aufgaben. Doch bevor dir die Pflege über den Kopf wächst, hole dir Hilfe und Unterstützung.

Tipp 1: Lasse dich von deiner Apotheke unterstützen

Das Zusammenstellen der Medikamente für Pflegebedürftige kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und auch Unsicherheiten mit sich bringen. Hast du auch nichts vergessen und alles nach Plan vorbereitet? Immer mehr Apotheken unterstützen Pflegende dabei, Arzneimittel zu sortieren und in sogenannte Blisterpackungen zu verpacken. So hast du für jeden Einnahmezeitpunkt alle Medikamente bereits fertig zur Hand.

Tipp 2: Wende dich an einen Pflegestützpunkt


Hier kannst du dich kostenlos beraten lassen, wie du die Pflege besser gestalten kannst. Die Pflegestützpunkte werden von der Krankenkasse, der Pflegekasse und der Kommune finanziert, in der du lebst.

Tipp 3: Lasse dich vom Allgemeinen Sozialen Dienst beraten

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) berät Menschen und Familien in Not. Wer dort arbeitet, unterliegt der Schweigepflicht. Den ASD in deiner Nähe findest du am besten über eine Suche im Internet.

Tipp 4: Tausche dich in einer Selbsthilfegruppe aus

Einfach mal die Sorgen von der Seele reden und mit Leuten sprechen, die ähnliche Erfahrungen machen – das kannst du in einer Selbsthilfegruppe. Der Austausch mit anderen, die Ähnliches durchmachen wie du, hilft dir dabei, neue Kraft zu sammeln. Außerdem erhältst du dort Informationen über weitere Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Jedes Gruppenmitglied teilt eigene Erfahrung, Kenntnisse und Recherchen mit dir. Das kann sehr wertvoll sein.

Tipp 5: Besuche Internetforen

Für den Austausch mit anderen Pflegenden musst du nicht unbedingt außer Haus gehen. Im Internet gibt es zahlreiche Foren, in denen sich Betroffene miteinander austauschen. Nutze für deine Online-Suche Wörter wie „Austausch“ und „Pflege zu Hause“.

Tipp 6: Vernetze dich mit Sozialverbänden oder Vereinen

Sozialverbände wie der VdK Deutschland e.V. oder spezielle Vereine für Pflegende setzen sich nicht nur auf politischer Ebene für deine Interessen ein. Du findest dort auch Ansprechpartner, die dich mit weiteren Tipps versorgen können.

Tipp 7: Informiere dich bei deiner AOK

Unsere Pflegekasse berät dich zu jeder Pflegesituation. Zudem erfährst du bei uns mehr über die Angebote der AOK für die Entlastung von Pflegenden. Dazu gehören Kurse und Schulungen sowie ein Expertenforum, das du rund um die Uhr um Rat fragen kannst.

Tipp 8: Tue dir selbst regelmäßig etwas Gutes

Vielleicht ist das auf den ersten Blick besonders schwer. Denn was soll das bitte sein, das Gute? Das kommt ganz darauf an, wie dein Pflegealltag aussieht und wofür du dich interessierst. Immer mehr Menschen beginnen zum Beispiel, ein Tagebuch zu führen. Kaufe dir dazu ein schönes Heft und schreibe dir deine Sorgen von der Seele. Notiere auch Ideen, die du hast – und schöne Erlebnisse mit dem Menschen, den zu pflegst. Das können Erinnerungen an frühere Zeiten sein oder das, was im heutigen Alltag geschieht. Rufe außerdem Menschen an, die sich für deine Sorgen interessieren, dir zuhören und dich stärken. Wichtig ist, dass du deine Selbstliebe erhältst.

Denke dran: Du bist nicht allein

Deutschland altert. Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig. Das war früher nicht so. Darum lernt unsere Gesellschaft erst nach und nach, was das bedeutet und welche Hilfen benötigt werden. Viele Angebote entstehen, weil jemand aufgrund seiner eigenen Situation auf neue Ideen für Entlastung im Pflegealltag kommt. Vielleicht gibt es auch bald in deiner Nähe einen Treffpunkt und du findest Unterstützung bei anderen Menschen. Du musst nicht alles alleine schaffen. Um Hilfe zu bitten, ist keine Schwäche, sondern das Gegenteil: eine Stärke, die dich noch stärker machen kann.

Werde für dich selbst aktiv!

Du kannst für dich sorgen, indem du Entspannungstechniken erlernst oder deinen Umgang mit Belastungen im Resilienztraining verbesserst. Musst du Job und Pflege unter einen Hut bringen? Immer mehr Unternehmen beginnen, die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu ermöglichen. Vielleicht zeigt deine Situation deinem Arbeitgeber sogar, dass es an der Zeit ist, hier aktiv zu werden.

Viel Kraft für den Pflegealltag und gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.