Wieso schnarchen wir und was kann man dagegen tun?
Körperwissen

Wieso schnarchen wir und was kann man dagegen tun?

Wusstest du, dass Schnarchen der häufigste Grund für getrennte Schlafzimmer ist? Keine Frage, das nächtliche Konzert kann ganz schön an den Nerven der Bettpartner zehren. Zudem kann es auch für den Betroffenen selbst zur Gefahr werden. Im Interview gibt der Schnarchexperte Markus Specht spannende Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Schnarchen.

Herr Specht, wie kommt es eigentlich dazu, dass Menschen schnarchen? Wo liegen die Ursachen und wie entsteht das Schnarchgeräusch?

Wir unterscheiden zwei Arten des Schnarchens. Das habituelle (gewohnheitsmäßige) Schnarchen entsteht z. B. durch feine Vibrationen der Polypen (gutartige Wucherungen) im Nasenbereich. Das macht zwar Lärm, ist jedoch ungefährlich. Anders verhält es sich mit dem obstruktiven (verschließenden) Schnarchen, das oft mit zunehmendem Alter entsteht. Das Bindegewebe der Haut verliert im Alter allmählich seine Elastizität und erschlafft. Das passiert nicht nur außen am Hals, sondern auch „innendrin“. Wenn sich beim Einschlafen die Muskulatur entspannt, fällt dann das Gewebe im Rachenraum zusammen. Der Rachen verengt sich und das Schnarchgeräusch entsteht. Je stärker die Verengung, desto lauter ist auch das Schnarchen. Gleichzeitig wird es für den Körper immer schwieriger, ausreichend Luft zu bekommen.

Kann das Schnarchen dann gefährlich werden?

Wenn sich der Rachenraum zu sehr verengt und sich dieser sogar verschließt, kann es zu Atempausen kommen. Manchmal dauern diese über eine Minute an, ohne dass der Betroffene davon aufwacht. Atemhilfsmuskulatur und Zwerchfell arbeiten zwar weiter, müssen sich jedoch anstrengen, um ausreichend Luft in die Lungen zu bekommen. Bei den betroffenen Patienten sorgt eine Weckreaktion des Gehirns nach einigen Sekunden dafür, dass die Muskeln im oberen Halsbereich wieder aktiv werden und sich der Rachen öffnet. Doch je öfter sich Hirn und Muskeln nachts einschalten, desto schlechter schlafen wir. Auch das Atmen gegen den Widerstand im Rachen kostet den Körper viel Kraft. So schlafen nicht nur die Bettpartner schlechter, auch Schnarcher fühlen sich morgens weniger erholt.

Das Schnarchen beeinträchtigt also die Erholung. Kann es auf Dauer für die schnarchende Person auch gesundheitsschädlich sein?

Die nächtliche Aktivierung von Herz und Gehirn bedeutet großen Stress für den Körper. Blutdruck und Herzfrequenz steigen an, und auf Dauer können die Arterien verkalken. Hat ein Patient häufig Atempausen, steigt sein Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Außerdem kann er tagsüber häufiger schläfrig sein und hat auch mit Sekundenschlaf zu kämpfen – eine große Gefahr im Autoverkehr! Weiß der Betroffene nichts von seinen nächtlichen Konzerten, kann er sich diese Schläfrigkeit oft gar nicht erklären. Es ist also gut, wenn uns andere auf unser Schnarchen hinweisen. Das sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Wie lassen sich habituelles und obstruktives Schnarchen voneinander unterscheiden?

Es gibt u. a. diese beiden Möglichkeiten, den Unterschied zu erkennen: Wenn das Schnarchen über Monate zunehmend lauter wird, der Betroffene aber weder deutlich an Gewicht zunimmt noch mehr Stress als üblich hat, dann kann das ein Hinweis auf obstruktives Schnarchen sein. Auch wenn der Betroffene lauter schnarcht, wenn er Alkohol getrunken hat, kann das ein Zeichen für eine Obstruktion im Rachen sein. Der Alkohol entspannt nämlich die Muskulatur zusätzlich und es fällt dadurch beim Schlafen mehr Gewebe zusammen als sonst.

Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die dazu führen können, dass sonst ruhige Schläfer plötzlich zu schnarchen beginnen?

Ein wichtiger Punkt ist hier die genetische Veranlagung. Wenn die Eltern oder Geschwister schnarchen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 30 Prozent, dass man es erbt. Ein weiterer Faktor ist das Alter. Schnarchen entsteht oft dann, wenn mit zunehmendem Alter die Elastizität des Bindegewebes allmählich nachlässt. Auch Übergewicht kann Schnarchen bedingen. Wenn sich im Halsbereich Körperfett einlagert, kann der Hals leichter zusammenfallen. Außerdem bedeutet das zusätzliche Körpergewicht nachts auch mehr Arbeit für die Atemmuskulatur. Ein weiterer Risikofaktor ist das Rauchen. Wer raucht, inhaliert Schadstoffe, die u. a. zu kleinen Entzündungen an der Schleimhaut und zu Schwellungen führen, die den Halsbereich verengen.

Spielt auch das Geschlecht eine Rolle? Schnarchen Männer nicht häufiger als Frauen?

Da ist tatsächlich was dran! Dass Männer mehr schnarchen und häufigere Atempausen haben als Frauen, scheint an den männlichen Sexualhormonen, den Androgenen, zu liegen. Bis zum Alter der Wechseljahre schnarchen die Männer im direkten Vergleich etwa fünfmal häufiger. Wenn die Frauen jedoch in die Wechseljahre kommen und mehr männliche Sexualhormone haben, beträgt das Verhältnis nur noch eins zu zwei.

Wann sollten Betroffene einen Arzt oder Fachmann aufsuchen?

Wenn das Schnarchen über Monate hinweg immer lauter wird und erstmals Atempausen auftreten, sollte das unbedingt ein Arzt untersuchen. Hinzu kommen oft noch Tagesschläfrigkeit und Sekundenschlaf, die die Lebensqualität von Betroffenen einschränken können. Erste Anlaufstelle ist dann ein niedergelassener Facharzt (z. B. HNO oder Lungenspezialist). Der untersucht das Schnarchen mithilfe eines Screeningsgeräts für Schlafapnoe – ein kleines „Schlafköfferchen“ für zu Hause. Damit lassen sich über Nacht die Herzfrequenz, Atmung und Sauerstoffwerte überwachen. In der Zusammenschau der Befunde kann der Arzt anschließend eine Diagnose stellen und die passende Behandlung empfehlen.

Lässt sich das Schnarchen abstellen? Ist es vielleicht sogar heilbar?

Wenn das Schnarchen nur in Rückenlage vorkommt, kann man sich mit einem speziellen Kissen oder einem kleinen Rucksack behelfen, der die Rückenlage verhindert. Ein guter Ansatzpunkt ist auch, bestehendes Übergewicht zu reduzieren. Weitere Hilfe verspricht die positive Überdrucktherapie, auch Maskentherapie genannt. Zum Einsatz kommt hier ein kleines, leises Gerät mit einer Turbine sowie einem Schlauch und einer Maske, die beim Schlafen über Mund und/oder Nase getragen wird. Das Gerät erhöht ganz leicht den Druck im Hals und hält ihn dadurch offen. Ein weiteres Behandlungsmittel ist die sogenannte Unterkieferprotrusionsschiene. Die Schiene verhindert, dass der Unterkiefer und damit auch die Zunge im Schlaf nach hinten rutschen und hält so den Rachenbereich frei.

Wie steht es um einen chirurgischen Eingriff? Kann der helfen?

Manchmal schnarchen Betroffene, weil sie nicht gut durch die Nase atmen können. Dann kann eine Operation weiterhelfen. Diese kann auch im Rachenraum eine Option sein, wenn die Mandeln zu groß sind und dadurch zu viel Gewebe den Rachen verengt. Ob eine Operation sinnvoll ist, variiert jedoch von Patient zu Patient und lässt sich erst nach genauer Untersuchung sagen. Das gilt auch für Sprays, Mundschienen und andere vermeintliche Hilfsmittel: Bevor man diese anwendet, sollte immer erst abgeklärt sein, wo die Ursachen des Schnarchens liegen. Nur wenn wir den Ursprung der Krankheit kennen, können wir sie auch behandeln.

Herr Specht, wir danken Ihnen ganz herzlich für das wertvolle Gespräch!

Entdecke auch unsere weiteren Artikel rund um Schlafstörungen und erfahre, wie der Nährstoff Tryptophan für guten Schlaf und gute Laune sorgt! Außerdem verraten wir dir, wie viel Schlaf wir pro Nacht benötigen, und geben praktische Tipps, mit denen du besser einschläfst.

Gute Gesundheit und erholsamen Schlaf wünscht deine AOK Hessen.

Weitere Newsletter Themen: