Wissenswert: Wie Kinder lernen
Kinder & Jugendliche

Wissenswert: Wie Kinder lernen

Wir haben etwas gelernt, wenn wir etwas können oder wissen, was wir vorher nicht konnten oder wussten. Für Kinder ist das eine ganze Menge. Sie müssen vom ersten Moment an alles lernen, um sich in der großen neuen Welt zurechtzufinden. Daher saugen sie sämtliche Informationen auf, die ihnen zugespielt werden.

Urvertrauen

Fast jeder kennt den Spruch: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Dahinter steht die Erkenntnis, dass man im Kindesalter am ehesten Dinge erlernt. Sind dann auch die ersten Lebensjahre prägend für die Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf das Lernverhalten? Und wie kann man sein Kind bestmöglich unterstützen?

Entscheidend für die Kinder und ihre Lernerfolge ist immer ein sicheres Umfeld mit festen Bezugspersonen, in dem sie sich wohlfühlen. Auch wenn Kinder mit zunehmendem Alter allein spielen, ist es für sie enorm wichtig, auf den Rückhalt ihrer Eltern vertrauen zu können. „Mama und Papa sind für mich da und können mir helfen!“ – Das Wissen darüber reicht den Kleinen oft schon.

Lernfähigkeit bei Säuglingen

Schon Babys prägen sich vieles ein, das sie mehrmals sehen, hören, riechen. Das sichert ihr Überleben. Säuglingsforscher fanden in den 1980er Jahren heraus, dass sogar Babys im Mutterleib sich Geschichten bzw. deren Klangmuster einprägen können. Die Mütter hatten die Geschichten immer laut vorgelesen und die Babys zeigten nach der Geburt eine Vorliebe für genau diese Geschichten. Daraus kann man schließen, dass Lernen bereits vor der Geburt beginnt.

Babys sind neugierige Wesen. Mit Wiederholungen lernen sie Routinen kennen und die Berechenbarkeit der Welt. Wiederkehrende Abläufe sind also wichtig, schon für die Kleinsten.

Lernen und Spielen

Kinder lernen am besten spielend. Im freien Spiel haben sie die größtmöglichen Chancen, sich neue Erkenntnisse zu erschließen. Das konnte auch eine Studie aus den 1990er Jahren bestätigen, die in Kindergärten durchgeführt wurde. Demnach werden 70 % des Gelernten eines 20-Jährigen vor der Schule angeeignet und lediglich 30 % in der Schul- und Ausbildungszeit. Außerdem brachte die Studie das Ergebnis, dass Kinder am besten ohne Didaktik lernen und die entscheidendsten Momente solche sind, die im Freispiel erlernt werden.

Schon Babys spielen. Sobald sie eine Rassel greifen können, spielen sie damit und erfahren, dass diese Geräusche macht. Oder sie entdecken die eigenen Füße, die sie so wunderbar in der Luft bewegen und greifen können. Über das Spiel entdecken Kinder ihre Umwelt. Sie handeln, beobachten und schlussfolgern: „Der Ball rollt weg, wenn ich ihn schubse – aber ich muss ihn selbst zurückholen.“

Mit der Zeit entwickelt sich die kindliche Fantasie und diese wird zunehmend beim Spielen eingesetzt. Kinder stellen bestimmte Situationen im Spiel nach, die sie an anderer Stelle beobachtet oder mitgemacht haben: Der Teddy wird verarztet oder mit dem Sand wird ein Kuchen gebacken etc. Das sind allesamt gelernte Situationen, die sie auf andere Bereiche übertragen können. Doch auch diese Fähigkeit muss erst erlernt werden.

Über das Spiel entwickelt sich auch die Sprache der Kinder weiter. Sie müssen in gewissen Situationen Absprachen miteinander treffen, um weiterspielen zu können.

Learning by Doing

Situationsbezogenes Lernen funktioniert hervorragend bei Kindern. Für sie sind die meisten Situationen gleichbedeutend mit Spielen. Und sie möchten gerne das tun, was Mama und Papa vormachen. Wenn sie den Eltern helfen dürfen – beim Kochen, bei der Gartenarbeit oder beim Zähneputzen – verinnerlichen sie das Gelernte am besten im Gedächtnis. Das erkannte schon Johann Wolfgang von Goethe: „Man begreift nur, was man selber machen kann, und man fasst nur, was man selbst hervorbringen kann.“

Kinder wollen von sich aus lernen, denn sie wollen alles verstehen. Das merken Eltern spätestens dann, wenn ihre Kinder sprechen können und den ganzen Tag Fragen stellen. Und deshalb brauchen sie auch keine besondere Motivation. Diese selbst erzeugte Motivation wird vor allem durch Erfolge gefördert. Misserfolge können dagegen bremsend wirken. Hier ist es an euch, den Eltern, eure Kinder aufzubauen, sie zu begleiten und ihnen zu vermitteln, dass sie auch mal scheitern dürfen.

Mehr Infos rund ums Familienleben hat die AOK Hessen unter aok-erleben.de.