Zucker & Ersatzstoffe bei Diabetes: Wie viel darf es sein?
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Zucker & Ersatzstoffe bei Diabetes: Wie viel darf es sein?

Diabetes ist auch bekannt als die Zuckerkrankheit. Darum glauben viele Menschen: Wer Diabetes hat, darf keinen Zucker essen. Zuckerersatzstoffe dürfe man hingegen in beliebiger Menge zu sich nehmen. Doch das eine ist genauso überholt wie das andere. Heute wissen wir: Alles hängt von der verzehrten Menge ab.

Zucker bei Diabetes? Auf die Menge kommt es an!

Für Diabetiker gilt heute nicht mehr „Hauptsache wenig Zucker“. Auf einen normalen Blutzuckerspiegel kommt es an. Dafür müssen Betroffene wissen, wie viel Zucker oder viele Kohlenhydrate in welchen Lebensmitteln stecken – und wie dadurch der Blutzuckerspiegel beeinflusst wird. Denn das ist je nach Lebensmittel verschieden. Zucker aus Kuchen ist also nicht schädlicher als der aus anderen Lebensmitteln, und darum ist Zucker auch für Menschen mit Diabetes in bestimmtem Maß in Ordnung.

Weniger ist besser – täglich 50 statt 92 Gramm

Allzu viel Zucker sollte es nicht sein, denn der ist ein Dickmacher und lässt den Blutzuckerspiegel sehr schnell ansteigen. Das ist nicht nur für Menschen mit Diabetes wichtig, sondern für jeden, der Wert auf eine gesunde Ernährung legt. Durchschnittlich verzehren wir in Deutschland pro Kopf täglich 92 Gramm Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch generell, dies auf maximal 50 Gramm zu begrenzen. Anders ausgedrückt: nicht mehr als gut drei Esslöffel oder 17 Würfel Zucker. Das bekräftigen auch die Ernährungsexperten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in ihren Ernährungsleitlinien. Zucker in frischem Obst oder in der Milch zählt die WHO nicht dazu.

Statt Zucker also beherzt zu Ersatzstoffen greifen?

Die maximale Tagesmenge hast du also schnell erreicht, da Zucker auch in vielen Lebensmitteln enthalten ist, in denen du ihn gar nicht vermutest. Ein Blick auf die Nährstofftabelle lohnt sich also immer. Um darüber hinaus nicht auf den süßen Genuss verzichten zu müssen, können Süßungsmittel eine Alternative sein. Hier unterscheiden wir zwischen Zuckeraustauschstoffen aus natürlichen Rohstoffen und solchen, die synthetisch hergestellt werden. Die natürlichen Stoffe haben weniger bis gar keine Kalorien, sind fast alle weniger süß als Zucker, fördern die Entstehung von Karies nicht und lassen den Blutzuckerspiegel nicht ansteigen. Das klingt gerade für Diabetiker gut, birgt jedoch eine neue Gefahr in sich: Weil die Stoffe weniger süß sind, nehmen viele Menschen mehr davon zu sich. Das kann dazu führen, dass wir uns noch mehr an den süßen Geschmack gewöhnen und unser Verlangen nach Süßem insgesamt steigt. Auch die synthetischen Süßungsmittel können den Gewöhnungseffekt verstärken, denn viele von ihnen sind oftmals um ein Vielfaches süßer als Zucker.

Vorsicht gilt übrigens auch bei Fruktose (Fruchtzucker). Sie ist zwar ein natürlicher Zuckeraustauschstoff, doch um 20 Prozent süßer als Zucker und gibt dem Körper darüber hinaus kein Sättigungssignal. Fruchtzucker klingt für viele erst mal „gesund“, weil das Wort „Frucht“ mitschwingt. Dennoch ist Fruktose generell nicht zu empfehlen. Vor allem, weil man schnell zu viel davon isst, ohne es zu merken. Außerdem erhöht sie den Blutzuckerspiegel und kann die Entstehung einer Fettleber fördern. Das gilt jedoch nur für reine Fruktose und nicht für die natürlich in Früchten enthaltene Fruktose.

Natürliche Zuckeraustauschstoffe – in Maßen genießen

Zu den natürlichen Zuckeraustauschstoffen gehören zum Beispiel Xylit, Sorbit und Erythrit. Viele von ihnen findest du im Supermarkt oder in der Drogerie und kannst sie also im Haushalt verwenden. Diabetiker können bis zu 30 Gramm täglich davon verzehren, ohne sie bei der Berechnung der Insulindosis zu berücksichtigen. Achtung: Das gilt nicht für Sorbit.

In größeren Mengen können die Zuckeraustauschstoffe jedoch zu Blähungen und Durchfall führen. Beachte darum die Verzehrempfehlungen auf der Packung – und ganz wichtig: Nimm wegen der geringeren Süße nicht mehr von diesen Stoffen.

Synthetische Süßstoffe – Tageshöchstgrenzen beachten

Zu den synthetischen Stoffen gehören zum Beispiel Cyclamat oder Aspartam. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklären die in der EU zugelassenen künstlichen Süßstoffe bislang für sicher. Doch diese Erklärung ist an ganz bestimmte Höchstmengen gebunden, sogenannte ADI-Werte. Die drei Buchstaben stehen für „Acceptable Daily Intake“ und definieren die täglich erlaubte Verzehrmenge. Aspartam hat zum Beispiel einen ADI von 40. Das bedeutet, du darfst pro Kilogramm Körpergewicht maximal 40 Milligramm von diesem Süßstoff verzehren. Für Saccharin gelten 5 Milligramm, für Cyclamat 7 Milligramm.

Aktuell wird viel bezüglich der Risiken geforscht, die Süßstoffe mit sich bringen könnten. Dabei geht es zum Beispiel um ihren Einfluss auf die Darmflora – ein wichtiges Thema für Menschen mit Diabetes. Du solltest also darauf achten, die empfohlenen Höchstwerte nicht zu überschreiten. Das ist im Alltag jedoch nicht unbedingt einfach, denn Süßungsmittel aller Art finden sich mittlerweile in vielen Lebensmitteln. Das macht einen Überblick nahezu unmöglich, und du könntest den ADI übersteigen, ohne dass du es merkst. Daher empfehlen wir dir, deine Lust auf Süßes insgesamt zu reduzieren. Das ist gar nicht so schwer, denn mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an den weniger süßen Geschmack.

Fett – ein weiteres Problem für Diabetiker

Wusstest du, dass viele Menschen gar nicht aufgrund von Zucker an Diabetes erkranken? Auslöser der Erkrankung ist häufig nämlich zu viel Fett im Essen. Das gilt auch für Süßigkeiten, die mit Zuckeralternativen hergestellt werden. Denn darin steckt oft jede Menge Fett.

Wenn du deine Ernährung mal unter die Lupe nehmen möchtest oder umstellen willst, geben dir unsere Experten im Forum für Ernährung gerne Aufschluss zu all deinen Fragen.

Außerdem erklären wir dir in unseren weiteren Artikeln, was Diabetes eigentlich mit deinem Körper macht und wie du eventuelles Übergewicht reduzieren kannst. Du leidest nicht an Diabetes? Damit dies auch so bleibt, informiere dich in unserem Artikel, wie du mit gesunder Ernährung das Risiko reduzierst, diese Erkrankung überhaupt zu bekommen.

Gute Gesundheit wünscht deine AOK Hessen.